20. Mai 2022

Gemeinsames Jubiläum gefeiert: 141 Jahre Stiftung Herberge zur Heimat – 55 Jahre Einrichtung für Wohnungslose


Mit einem Festakt in der Ludwigskirche und anschließendem Fest im Innenhof der Herberge, feierten die Stiftung der Herberge zur Heimat und die Diakonie Saar die Wohnungsloseneinrichtung. Gäste aus Politik, Verwaltung und Institutionen folgten der Einladung.

Seit 55 Jahren finden in der „Herberge zur Heimat“ wohnungslose Männer ein Dach über den Kopf und erhalten Unterstützung, um ihr Leben wieder selbst anpacken zu können. Die Diakonie Saar, die Anfang 2020 den Betrieb übernommen hat, feiert das Jubiläum gemeinsam mit der Stiftung Herberge zur Heimat. Vor 141 Jahren gegründet, bot diese zuerst durchreisenden Handwerkern und ähnlichen Personen Unterkunft und richtete dann nach dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg ihr Angebot auf wohnungslose Männer aus.

 

„Aus unserer christlichen Motivation, getragen vom evangelischen Bekenntnis, richten wir unser Engagement aus „an alles Volk“. Und „alles Volk“ meint nicht nur die Angehörigen der eigenen Kirche, nicht nur die Christenheit, nicht nur die Staatsangehörigen, sondern alle Menschen. Kurz: aus evangelischer Verantwortung ein Angebot für alle“, sagte Dr. Michael Franz, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Herberge zur Heimat, im Rahmen einer Feierstunde in der Saarbrücker Ludwigskirche. Das historische Gebäude ist noch in Besitz der Stiftung. Den Betrieb der Herberge fördert die Stiftung auch weiterhin.

 

Die Männer, die in der Einrichtung am Saarbrücker Ludwigsplatz aufgenommen werden, haben Haftstrafen abgesessen, waren lange im Krankenhaus oder haben auf der Straße gelebt. Bei ihrer Ankunft sind viele in einem schlechten körperlichen und psychischen Zustand. In der Herberge bekommen sie einen Schlafplatz und regelmäßige Mahlzeiten, Sozialarbeiter geben ihrem Tag Struktur und unterstützen sie auf dem Weg in eine eigenständige Lebensführung.  

 

„Wohnungslosigkeit ist der der krönende Abschluss vielfältiger Problemlagen. Ohne ein intensives, vielfältiges Hilfsangebot gibt es für die meisten kein Entkommen“, betont Anne Fennel, Geschäftsführerin der Diakonie Saar. „Die Diakonie bietet mit der Herberge zur Heimat einen Schutzraum für Betroffene und vernetzte, individuelle Hilfen auf dem Weg in ein eigenständiges Leben.“

 

Die Herberge zur Heimat hat 25 stationäre Plätze, finanziert durch den Sozialhilfeträger. Insgesamt kümmern sich fünf sozialpädagogische Fachkräfte und sieben weitere Mitarbeitende um die Männer. Der Tag in der Herberge ist gut strukturiert durch feste Essenszeiten. Jeder ist nach seinen Möglichkeiten selbst verantwortlich, das Zimmer in Ordnung zu halten und seine Wäsche zu waschen.  Um den Blick auch auf zukünftige Erwerbsarbeit zu richten, bietet die Herberge zudem acht Arbeitsgelegenheiten an. Dabei helfen die Bewohner bei verschiedenen Tätigkeiten im Haus helfen, etwa in der Küche oder beim Putzen.

 

Staatssekretärin Bettina Altesleben gratuliert der Stiftung zur 141-jährigen Arbeit und setzt auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Diakonie Saar: „Hinzuschauen, wo viele andere wegschauen – auf die persönlichen Notlagen und sozialen Benachteiligen von Menschen aller Altersgruppen – das ist es, was die Diakonie Saar über die Jahrzehnte hinweg immer wieder auszeichnet. Im Laufe der Jahre hat sich die Diakonie inhaltlich und strukturell immer wieder verändert, so auch mit der Betriebsübernahme der Herberge vor zwei Jahren. Die Mitarbeitenden der Diakonie stellen sich dabei den neuen Herausforderungen kreativ, lösungs- und zukunftsorientiert. Das verdient unsere besondere Anerkennung.“

 

Auch Norbert Degen, ehrenamtlicher Regionalverbandsbeigeordneter, hebt die Bedeutung der Herberge heraus: „Wohnungslose Menschen finden in der Herberge zur Heimat Zuflucht und Hilfe, die nicht direkt mit dem Auszug wieder endet. Damit ist die Herberge zur Heimat ein wichtiger Teil der Unterstützungsangebote für sozial benachteiligte Menschen im Regionalverband.“

 

Und Sozialdezernent der Landeshauptstadt Saarbrücken, Tobias Raab, ergänzt: „Saarbrücken ist sehr froh, dass die Aufgabe, Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu resozialisieren, in der Stadt gemeinschaftlich gestaltet und bewältigt wird. Die Herberge zur Heimat trägt mit ihrer Arbeit wesentlich zur Linderung beziehungsweise zur Behebung der Problemstellung der betroffenen Menschen bei und bietet ihnen eine Perspektive für eine selbstbestimmte Lebensführung und Teilhabe. Gerade aufgrund der vielfältigen Problemlagen vieler Betroffener sind wir für die Zusammenarbeit dankbar, die seit Jahrzehnten in gegenseitigem Respekt mit dem Ziel erfolgt, die betroffenen Menschen bestmöglich zu unterstützen.“ 

 

Bild 2: v.l.n.r.: Diakonie-Geschäftsführerin Anne Fennel, Dr. Michael Franz, Vorsitzender des Kuratoriums, „Herbergsmutter“ Ursula Frank, Diakoniepfarrer Udo Blank, Pfarrer i.R. Georg Diening, Wolfgang Schmidt aus dem Kuratorium und Oliver Kremp-Mohr, Geschäftsführer der Diakonie Saar.





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